Warum die Arbeitskraft dein größter Wert ist
Rechne einmal grob nach: Wer mit 30 Jahren 3.000 Euro netto im Monat verdient, verdient bis zur Rente weit über eine Million Euro. Dieses Einkommen ist meist mehr wert als Haus, Auto und Erspartes zusammen.
Fällt es weg, laufen die Kosten weiter. Deshalb gehört die Absicherung der Arbeitskraft zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt, gleich nach der Privathaftpflicht.
Was der Staat zahlt
Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt bei Krankheit eine Erwerbsminderungsrente. Sie hängt davon ab, wie viele Stunden am Tag du noch irgendeine Arbeit machen kannst. Dein Beruf spielt dabei keine Rolle:
- Unter 3 Stunden am Tag: volle Erwerbsminderungsrente.
- 3 bis unter 6 Stunden am Tag: halbe Erwerbsminderungsrente.
- 6 Stunden oder mehr: keine Rente, auch wenn du deinen eigenen Beruf nicht mehr ausüben kannst.
Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren ist, hat keinen Berufsschutz mehr. Eine Lehrerin, die nicht mehr unterrichten kann, aber noch sechs Stunden an der Kasse arbeiten könnte, bekommt also nichts. Und auch die volle Erwerbsminderungsrente liegt meist deutlich unter dem bisherigen Nettogehalt.
Für junge Menschen ist die Lücke am größten: Wer erst wenige Jahre eingezahlt hat, bekommt eine entsprechend kleine Rente.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung
Die Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz BU, zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich dauerhaft nicht mehr ausüben kannst. In der Regel gilt das ab einer Berufsunfähigkeit von 50 Prozent. Die Rente läuft, bis du wieder arbeiten kannst oder das vereinbarte Endalter erreichst.
Worauf es im Vertrag ankommt
- Verzicht auf die abstrakte Verweisung: Der Versicherer darf dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest.
- Laufzeit bis zum Rentenbeginn, also meist bis 67. Eine BU bis 60 lässt die letzten Jahre offen.
- Nachversicherungsgarantie: Du kannst die Rente bei Heirat, Geburt eines Kindes oder Gehaltssprung ohne neue Gesundheitsfragen erhöhen.
- Dynamik: Rente und Beitrag steigen jedes Jahr ein Stück, damit die Inflation den Schutz nicht auffrisst.
- Leistung bei längerer Krankschreibung: Manche Tarife zahlen schon, wenn du lange am Stück krankgeschrieben bist, bevor die Berufsunfähigkeit endgültig geprüft ist.
Wie hoch die Rente sein sollte
Als Faustregel gelten etwa 70 bis 80 Prozent deines Nettoeinkommens. Von der BU-Rente gehen später noch Steuern und Krankenversicherung ab. Die Versicherer begrenzen die Höhe, je nach Einkommen.
Gesundheitsfragen
Vor dem Abschluss fragt der Versicherer nach Erkrankungen und Behandlungen der letzten Jahre. Diese Fragen müssen vollständig und richtig beantwortet werden. Wer etwas weglässt, riskiert im Ernstfall den ganzen Schutz. Wir gehen die Fragen mit dir gemeinsam und in Ruhe durch.
Je jünger und gesünder du beim Abschluss bist, desto günstiger ist der Beitrag und desto leichter bekommst du Schutz. Für Schüler, Studierende und Auszubildende gibt es oft besonders günstige Einstiege.
Wenn eine BU nicht möglich ist
Nicht jeder bekommt eine BU zu einem bezahlbaren Beitrag, etwa bei Vorerkrankungen oder in körperlich harten Berufen. Dann gibt es Alternativen:
- Grundfähigkeitsversicherung: zahlt, wenn du eine bestimmte Fähigkeit verlierst, zum Beispiel Sehen, Gehen, Treppensteigen oder den Gebrauch der Hände. Psychische Erkrankungen sind meist nicht oder nur eingeschränkt versichert.
- Erwerbsunfähigkeitsversicherung: zahlt, wenn du gar keine Arbeit mehr ausüben kannst. Das ist ein deutlich strengerer Maßstab als bei der BU.
- Schwere-Krankheiten-Versicherung: zahlt einmalig eine vereinbarte Summe bei Diagnosen wie Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall.
- Unfallversicherung: zahlt nur nach einem Unfall. Die meisten Fälle von Berufsunfähigkeit haben aber Krankheiten als Ursache, keine Unfälle. Als alleiniger Schutz reicht sie deshalb nicht.
Was für dich passt, hängt von Beruf, Gesundheit und Budget ab. Oft ist eine Kombination sinnvoll.
Für Beamtinnen und Beamte
Beamte brauchen statt einer klassischen BU eine Dienstunfähigkeitsversicherung mit echter Dienstunfähigkeitsklausel. Alles dazu findest du auf unserer Seite für Beamte.
So gehen wir vor
Im Erstgespräch klären wir, wie hoch deine Lücke ist und was du monatlich ausgeben willst. Danach vergleichen wir die Tarife vieler Versicherer und zeigen dir zwei oder drei, die zu dir passen. Die Gesundheitsfragen beantworten wir gemeinsam.
Stand: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine persönliche Beratung. Maßgeblich sind immer die Bedingungen des jeweiligen Tarifs.